{"id":352,"date":"2007-07-06T04:35:05","date_gmt":"2007-07-06T08:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/munichletters\/2007\/07\/06\/letter-from-munich-322\/"},"modified":"2007-07-12T04:58:55","modified_gmt":"2007-07-12T08:58:55","slug":"letter-from-munich-322","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/2007\/07\/06\/letter-from-munich-322\/","title":{"rendered":"Letter from Munich 322"},"content":{"rendered":"<p><strong>Letter from Munich &#8211; the Joseph Affair \u2013 322<\/strong><\/p>\n<p>EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. (German translation below \u2013 German language character set required for correct display.)<\/p>\n<p>Dusseldorf, 6 July 2007<\/p>\n<p>Dear Mr. Graf, dear friends,<\/p>\n<p>(Final part of a letter to a friend \u2013 complete German text is below)<\/p>\n<p>In any case, none of that of course proves that Joseph was murdered and the affair covered up. The questions remain, though, and will always remain, at least for me, because I think that no one in the end will know the truth about this case.<\/p>\n<p>Or possibly all of this simply represents the incoherent ideas of a man who lives in his own reality, like the person that was mentioned in the MDR broadcast. That eventuality cannot be completely excluded, can it?<\/p>\n<p>What I do know, though, is, that people shouldn\u2019t forget either these questions or the story of Joseph, because in certain respects we could be dealing with that extraordinary aspect that lies in the heart of us all, that part of us that is really human and creative, that part that is in danger of becoming \u201cMozart assassin\u00e9.\u201d<\/p>\n<p>Sincerely yours,<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Ernst-Gnoss-Strasse 22<\/p>\n<p>40219 Dusseldorf<\/p>\n<p>Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49 211 586 4847<\/p>\n<p>Mobile: +49 152 0285 4626<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>Kantelberg-Abdulla E-Mail: majoskant@t-online.de<\/p>\n<p>Websites: http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/MunichLetters<\/p>\n<p>http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/Germany2\/<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author\u2019s translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.<\/p>\n<p>Alle Briefe aus M\u00fcnchen sind abrufbar:<\/p>\n<p>http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/MunichLetters<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf, den 6. Juli 2007<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,<\/p>\n<p>(Der vollst\u00e4ndige deutsche Text des oben erw\u00e4hnten Briefes:)<\/p>\n<p>Lieber Ralf,<\/p>\n<p>danke f\u00fcr die E-Mail. Zun\u00e4chst einmal: Also, warum schreibe ich dieses Blog weiter? Warum l\u00e4sst mich diese ganze Geschichte einfach nicht mehr los? Ich glaube, es gibt zahlreiche Gr\u00fcnde dazu, und wenn es Sie interessiert, trotz meiner fehlerhaften Deutschkenntnisse, habe ich eine ziemlich lange Liste dieser Gr\u00fcnde ausgedacht, wie folgt:<\/p>\n<p>&#8212; Um mit dem psychologisch brennendsten und sonderbarsten Grund zu beginnen, muss ich mich auf ein Buch des franz\u00f6sischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exup\u00e9ry beziehen, \u201eTerre des hommes.\u201c Am Ende dieses Buches schreibt Saint-Ex eine Passage \u00fcber \u201eMozart assassin\u00e9\u201c \u2013 Mozart ermordet, im geistigen Sinne des Wortes \u201eermordet.\u201c Ich glaube, es gibt in uns allen ein bisschen \u201eMozart ermordet.\u201c Mit anderen Worten, kann etwas Wertvolles in allen Menschen versteckt werden, was die Wechself\u00e4lle des Lebens im Laufe der Zeit zerst\u00f6ren. Normalerweise passiert das, als wir Kinder oder sehr junge Menschen sind, und es verschwindet aus unserem Ged\u00e4chtnis. Einige von uns aber denken immer an dieses \u201eetwas Wertvolles.\u201c Infolgedessen, um zu versuchen ein in unseren Leben nicht wieder gutzumachendes Unrecht oder Schaden, doch gutzumachen, wollen wir entweder anderen Menschen helfen so etwas in ihren Leben zu vermeiden, wenn m\u00f6glich, oder f\u00fchlen wir uns manchmal gezwungen, immer wieder zu versuchen einen Fall von \u201eMozart ermordet\u201c aufzukl\u00e4ren oder aufkl\u00e4ren zu lassen.<\/p>\n<p>&#8212; Wo es um den Fall Joseph geht, das, was mir zun\u00e4chst im Jahre 2000 auffiel, war die Art und Weise, wie es f\u00fcr Kurt Biedenkopf und den Oberb\u00fcrgermeister von Sebnitz beschlossene Sache war, von Anfang an, dass Joseph nicht ermordet worden war. Ich fragte mich, wie sie das sagen konnten und wie sie das Ergebnis der Ermittlung wissen konnten, bevor die Ermittlung fertig gestellt wurde.<\/p>\n<p>&#8212; Sp\u00e4ter, als ich die Abschriften des polizeilichen Verh\u00f6res der Zeugen lies, wo diese Zeugen ihre eidesstattlichen Erkl\u00e4rungen zur\u00fccknahmen, gab es Hinweise \u2013 meiner Meinung nach \u2013 dass diese Zur\u00fccknahmen, mindestens in gewissen F\u00e4llen, die Folge des Druckes der Polizei gewesen sein konnten. Nat\u00fcrlich war es sehr dumm von den Kantelberg-Abdullas f\u00fcr diese Erkl\u00e4rungen zu zahlen. Ich fragte mich aber, ob es wirklich m\u00f6glich war, dass jede Erkl\u00e4rung gef\u00e4lscht wurde oder dass die meisten Zeugen die Erkl\u00e4rungen wirklich unterschrieben haben, ohne den Inhalt zu wissen. In der Akte gibt es ein richterliches Dokument, wo die Richterin best\u00e4tigt hat, dass sie zu dem Zeitpunkt diesen Zeugen glaubte. Also war es nicht m\u00f6glich, habe ich gedacht, dass diese Zeugen die Wahrheit in ihren urspr\u00fcnglichen eidesstattlichen Erkl\u00e4rungen gesagt haben?<\/p>\n<p>&#8212; Meiner Meinung nach, l\u00e4sst es sich kaum bestreiten, dass die Stimme des Zeugen, die man in Ihrer MDR-Sendung h\u00f6ren konnte, sich ganz glaubw\u00fcrdig anh\u00f6rte, als er das beschrieb, was er angeblich im Freibad sah, als Joseph starb.<\/p>\n<p>&#8212; Au\u00dferdem, wo es um polizeiliche Verh\u00f6re geht, denkt man an den Artikel aus der New York Times, den ich Ihnen schon erw\u00e4hnt habe, wo ein amerikanischer Journalist die Art und Weise beschreibt, wie die Polizei \u2013 in diesem Fall in Japan \u2013 zahlreichen Menschen Gest\u00e4ndnisse abgepresst haben, Menschen, die v\u00f6llig unschuldig waren. Es ist klar, in diesen und anderen F\u00e4llen, wo Menschen sich isoliert f\u00fchlen, kann die Polizei problemlos auf sie Druck aus\u00fcben.<\/p>\n<p>&#8212; Man denkt auch an all die deutschen Nachrichtensendungen, wo man dar\u00fcber berichtet hat, wie die Polizei in den neuen Bundesl\u00e4ndern rechtsextremistische Pr\u00fcgel, Schl\u00e4ger und andere Verbrechen oft komplett ignoriert und verharmlost hat, sogar als die Opfer um Hilfe dringend baten. Man denkt auch an all die Berichte dae\u00fcber, dass eine ganze Anzahl der Polizei in den neuen Bundesl\u00e4ndern rechtsextremistische Sympathisanten sind, genauso wie man denkt an die zahlreichen solchen Berichte \u00fcber die Bundeswehr \u2013 zum Beispiel, \u00fcber das Bundeswehrgeschwader \u201eM\u00f6lders\u201c, von dem die \u201eKontraste\u201c-Sendung der vergangenen Woche noch einmal berichtete. (Das Bundeswehrgeschwader \u201eM\u00f6lders\u201c existiert immer noch, den Journalisten von \u201eKontraste\u201c nach, weil dieser Name von den rechtsorientierten Mitglieder der CDU unterst\u00fctzt wird. Die deutschen rechtlichen-\u00f6ffentlichen Fernsehsender haben so oft \u00fcber diese rechtsgerichteten CDU-Mitglieder berichtet, dass es fast \u00fcberfl\u00fcssig zu sein scheint, das noch einmal zu erw\u00e4hnen.)<\/p>\n<p>&#8212; Die Existenz dieser weit rechts stehenden CDU-Mitglieder, Polizisten und Soldaten erinnert einen auch an das ber\u00fcchtigte Problem mit Neonazis, die immer wieder in den neuen Bundesl\u00e4ndern auftauchen, und sehr oft in Sachsen.<\/p>\n<p>&#8212; Neulich haben verschiedene Journalisten \u00fcber den Sumpf der Korruption geschrieben, der im s\u00e4chsischen Innenministerium und Justiz gefunden wurde. Man wei\u00df nicht, wann diese Korruption begonnen hat, aber trotzdem stellt man sich die Frage, \u201eWenn gewisse Leiter der CDU in Sachsen \u2013 Kurt Biedenkopf und der Oberb\u00fcrgermeister von Sebnitz, zum Beispiel \u2013 nicht akzeptieren wollten, dass Josephs Tod von Rechtsradikalen verursacht wurde, w\u00e4re es nicht sehr leicht gewesen sein, diesen Wunsch zur Staatsanwaltschaft und Polizei zu kommunizieren, nat\u00fcrlich auf die subtilste Art und Weise?\u201c<\/p>\n<p>&#8212; Es gab selbstverst\u00e4ndlich keine Verschw\u00f6rung, wo es um den Fall Joseph geht. Es war nur eine Frage, die W\u00fcnsche, die die leitenden Politiker hatten, an die richtigen Beamten zu vermitteln. Eine solche Handlungsweise kann besonders effektiv sein, in einer Gesellschaft wie diese, wo Hierarchie und Ordnung so wichtig sind, und wo man immer wieder versucht, die W\u00fcnsche der Vorgesetzten zu erahnen und zu erf\u00fcllen. Diese Tendenzen k\u00f6nnten sogar st\u00e4rker sein, in einem Bundesland, wo die Menschen relativ wenig Erfahrungen mit echter Demokratie haben, und wo sie mehr als sechs jahrzehntenlang in zwei verschiedenen Diktaturen lebten, geschweige denn auch in einem Kaiserreich, vor diesen Diktaturen. <\/p>\n<p>&#8212; In der MDR-Sendung vom 9. Juni, erw\u00e4hnte man einen Professor, der lehrt, dass der Fall Joseph ein Beispiel daf\u00fcr ist, wie die Medien manipulieren und manipuliert werden k\u00f6nnen. Man k\u00f6nnte genauso gut die Ansicht vertreten, dass dieser Fall ein Beispiel daf\u00fcr ist, wie der Staat seine Beamten und Beh\u00f6rden und auch die Medien manipulieren kann, um das Publikum zu Gef\u00fchlen gegen eine Familie anzustiften.<\/p>\n<p>&#8212; Der Hass und die Verunglimpfung, die von den Menschen von Sebnitz an die Familie Kantelberg-Abdulla gerichtet wurden und werden, Hass und Verunglimpfung, die der MDR am Ende der Sendung beschrieb, sind vielleicht die Folge solcher Anstiftung. Sonst ist solcher Hass schwer zu verstehen, abgesehen von der Tatsache, dass Menschen ihre Opfer oft besonders hassen, wenn diese Opfer Recht mit ihren Behauptungen haben und wenn die Menschen wissen, dass sie diesen Opfern unrecht taten.<\/p>\n<p>&#8212; In solchen F\u00e4llen aber ist es Opfer wie Familie Kantelberg-Abdulla fast unm\u00f6glich, sich durchzusetzen, falls sie selbst Fehler gemacht haben; zum Beispiel, falls sie Zeugen f\u00fcr ihre Erkl\u00e4rungen bezahlt haben. Die meisten Menschen sind bereit zu glauben, dass, wenn diese Familie solche Fehler machte, oder wenn ein Teil davon, was die Kantelberg-Abdullas, falsch ist, dann muss alles, was sie sagen, eine L\u00fcge sein.<\/p>\n<p>&#8212; Man sieht, dass die Staatsanwaltschaft und die Polizei jede nur m\u00f6gliche Anstrengung unternommen haben, die Familie Kantelberg-Abdulla zu ermitteln und die Zeugen zu verh\u00f6ren, um zu versuchen zu beweisen, dass diese gelogen haben. Es scheint, als ob die Staatsanwaltschaft und die Polizei sich nur auf diese Aufgabe konzentriert haben. Nur die kleinsten Anstrengung, um die angeblichen T\u00e4ter zu ermitteln, ist bis jetzt sichtbar. Man fragt sich warum, und in diesem Zusammenhang denkt man auch daran, was die MDR-Sendung erkl\u00e4rte, n\u00e4mlich, dass einer der drei Verd\u00e4chtigen ein gutes Alibi hatte. Man m\u00f6chte irgendetwas \u00fcber die anderen wissen. Kurz gesagt, hatten diese auch ein Alibi?<\/p>\n<p>&#8212; Die Staatsanwaltschaft hat alles beschlagnahmt, was die Familie Kantelberg-Abdulla hatte, das von Josephs Tod handelte. Anscheinend wurden diese Gegenst\u00e4nde nie zur\u00fcckgegeben. Man kann nicht umhin zu fragen, warum?<\/p>\n<p>&#8212; Die Staatsanwaltschaft, wie schon erw\u00e4hnt, hat der Familie mit einer Anklage wegen der Verbreitung falscher Anschuldigungen gedroht, aber diese Anklage wurde nie erhoben. Was war der Grund dazu, wenn die Staatsanwaltschaft und die Bev\u00f6lkerung von Sebnitz davon \u00fcberzeugt und dar\u00fcber emp\u00f6rt sind, dass die Familie gelogen hat? Es kann nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft Angst davor hatte, die ganze Aff\u00e4re offen vor Gericht herauszubringen, oder? Also wenn nicht, was dann war tats\u00e4chlich der Grund zu dieser Entscheidung? Ein Sinn f\u00fcr Erbarmen? Wenn das der Grund war, m\u00fcssen wir uns fragen, warum niemand in den letzten Jahren der Familie geholfen hat, statt das durchzuf\u00fchren, was eine Art von \u00f6konomischer und gesellschaftlicher Verfolgung zu sein scheint.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall ist all das selbstverst\u00e4ndlich kein Beweis daf\u00fcr, dass Joseph ermordet und die ganze Sache vertuscht wurde, aber die Fragen bleiben und f\u00fcr immer bleiben werden, jedenfalls f\u00fcr mich, weil ich glaube, dass niemand letzten Endes die Wahrheit \u00fcber diesen Fall wissen wird.<\/p>\n<p>Oder m\u00f6glicherweise sind all dies nur die unzusammenh\u00e4ngenden Ideen eines Mannes, der in seiner eigenen Realit\u00e4t lebt, wie der Mensch, der im MDR-Bericht erw\u00e4hnt wurde. Man kann diese M\u00f6glichkeit nicht v\u00f6llig ausschlie\u00dfen, oder?<\/p>\n<p>Das aber, was ich ganz bestimmt wei\u00df, ist, dass man weder all diese Fragen noch die Geschichte von Joseph vergessen sollte, weil es sich in gewisser Hinsicht hier um jenen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Teil von uns allen handeln k\u00f6nnte, den wir im tiefsten Herzen haben, jenen Teil von uns, der echt menschlich und sch\u00f6pferisch ist, jenen Teil, der insbesondere zum jetzigen Zeitpunkt die Gefahr l\u00e4uft, \u201eMozart assassin\u00e9\u201c zu werden.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Robert<\/p>\n<p>Ende des zitierten Briefes<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Ernst-Gnoss-Strasse 22<\/p>\n<p>40219 Dusseldorf<\/p>\n<p>Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49 211 586 4847<\/p>\n<p>Mobile: +49 152 0285 4626<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>Kantelberg-Abdulla E-Mail: majoskant@t-online.de<\/p>\n<p>Websites: http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/MunichLetters<\/p>\n<p>http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/Germany2\/<\/p>\n<p>============================<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letter from Munich &#8211; the Joseph Affair \u2013 322 EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. 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