{"id":197,"date":"2006-05-26T07:04:21","date_gmt":"2006-05-26T11:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-033\/"},"modified":"2006-05-26T07:04:21","modified_gmt":"2006-05-26T11:04:21","slug":"letter-from-munich-033","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-033\/","title":{"rendered":"Letter from Munich &#8211; 033"},"content":{"rendered":"<p><strong>Letter from Munich &#8211; the Joseph Affair &#8211; 33<\/strong><\/p>\n<p>EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.<\/p>\n<p>24 August 2001 <\/p>\n<p>Dear Mr. Graf, dear friends,<\/p>\n<p>A continuation of the letter of last week:<\/p>\n<p>By the early morning, after a night reminiscent of more unsavory periods in German history, the men were gone. With them went not only everything that might substantiate the government\u2019s charge that the parents had spread \u201cfalse suspicions,\u201d with them also went every single piece of evidence the Kantelberg-Abdullas had painfully and laboriously collected to support their accusation that neo-Nazis had murdered their son.<\/p>\n<p>A friend remarked the other day, \u201cA leading German newspaper recently published an article in which the work of the district attorney was described as \u2018dilettante.\u2019 Newspapers in more enlightened countries might have another word to describe it.\u201d<\/p>\n<p>The parents were never interviewed by the police about their son\u2019s death. In fact, witnesses that were interviewed by the police have told the Kantelberg-Abdullas that the police never asked them about anything that might shed light on the circumstances of the boy\u2019s death. The police were interested only in asking questions about the alleged involvement of the Kantelberg-Abdullas in encouraging \u201cfalse suspicions.\u201d<\/p>\n<p>\u201cWhat I found interesting,\u201d a friend remarked, \u201cwas that some time later, the Prime Minister of Saxony, Kurt Biedenkopf, once again appeared on German television in an interview that was shown repeatedly over the next few days. He informed the Germans with breathtaking self-assurance &#8212; and with astonishing ignorance of the operation of the American legal system &#8212; that if he were in America he could go before a court and be awarded the equivalent of fifty million German marks as compensation for the slander he and the State of Saxony had been subjected to.\u201d<\/p>\n<p>\u201cYes,\u201d agreed another acquaintance, \u201cthere was apparently no awareness on Biedenkopf\u2019s part that the kind of treatment the Kantelberg-Abdullas had suffered \u2013 the virtual abduction from Berlin, the nighttime seizure of any proof they could use to support their claims or defend themselves in court, the orchestration of an all but one-sided media campaign of innuendo and intimidation \u2013 would in America create such an outcry, from New York to Honolulu, that any American governor or district attorney who even attempted such actions would be forced to resign.\u201d<\/p>\n<p>One more friend added, \u201cMost Germans, though, are oblivious to the way the American legal system really functions, and so Biedenkopf\u2019s threat worked. There has been hardly a word or an image about the family in the media since Biedenkopf\u2019s implied threat. However, there have been descriptions of what the alleged perpetrators of the boy\u2019s murder are said to have suffered during the few hours of their detention and questioning.\u201d<\/p>\n<p>Still another friend of mine remarked the other day, \u201cThe media in Germany are so vulnerable to threats and intimidation from the authorities, such as the threat Biedenkopf made, that no German newspaper or television broadcaster would dare produce any piece of news that might invite a fifty million mark lawsuit. And even though political influence on the work of district attorneys has been obvious to many observers time and again in scandals in Munich, in Augsburg, in Bonn, in Berlin and elsewhere in recent years, German journalists and the public continue to take at face value whatever their district attorneys tell them, without even thinking of questioning their findings. Or is it perhaps that they simply do not want to take the trouble to question them?\u201d<\/p>\n<p>This letter will be continued next week.<\/p>\n<p>Sincerely yours,<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author\u2019s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.<\/p>\n<p>Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er wei\u00df, dass die folgende \u00dcbersetzung viele Fehler enth\u00e4lt. Er hofft aber, man werde diese Fehler \u00fcbersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu k\u00f6nnen, was in diesem Schreiben und in dieser Aff\u00e4re von zentraler Bedeutung ist.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen, den 24. August 2001<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,<\/p>\n<p>die Fortsetzung des Briefes von der letzten Woche:<\/p>\n<p>bis in die fr\u00fchen Morgenstunden fuhren die M\u00e4nner in ihrer Arbeit fort. Dann, nach einer Nacht, die einen an die unerfreulichere geschichtliche Perioden Deutschlands erinnert, waren die M\u00e4nner fort. Zusammen mit ihnen war auch fort nicht nur jedes Beweisst\u00fcck, das die Anklage wegen \u201efalscher Verd\u00e4chtigungen\u201c gegen die Eltern untermauern konnte, sondern auch jedes Beweisst\u00fcck, das die Familie Kantelberg-Abdulla qu\u00e4lend und m\u00fchevoll angesammelt hatte, um die Anschuldigung deswegen zu erh\u00e4rten, dass Neonazis ihren Sohn ermordet hatten.<\/p>\n<p>Ein Bekannte vor ein paar Tagen bemerkte, \u201eIn einer f\u00fchrenden deutschen Zeitung erschien neulich ein Artikel, in dem man die Arbeit der Dresdner Staatsanwaltschaft als \u201adilettantisch\u2019 bezeichnet. Zeitungen in aufgekl\u00e4rteren L\u00e4ndern w\u00fcrden vielleicht ein anderes Wort verwenden, um diese Art Arbeit zu beschreiben\u201c.<\/p>\n<p>Die Eltern wurden nie von der Polizei bez\u00fcglich des Todes ihres Sohnes vernommen. Eigentlich haben Zeugen, die die Polizei vernahm, den Eltern gesagt, dass die Polizei sie niemals \u00fcber Tatsachen fragte, die Licht in die Umst\u00e4nde des Todes des Kindes bringen konnten. Die Polizei interessierte sich nur daf\u00fcr, Fragen \u00fcber die angebliche \u201efalscher Verd\u00e4chtigungen\u201c zu stellen, die die Eltern verbreitet haben sollten.<\/p>\n<p>\u201eDas, was ich interessant fand\u201c, sagte ein Freund, \u201ewar, dass kurz danach der s\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Kurt Biedenkopf in einem Fernsehinterview sprach, und dass dieses Interview immer wieder in den n\u00e4chsten Tagen gezeigt wurde. Mit atemberaubender Selbstsicherheit &#8212; und mit erstaunend mangelnden Kenntnissen in dem Funktionieren des amerikanischen Rechtssystems &#8212; teilte er den Deutschen mit, dass wenn er in Amerika w\u00e4re, k\u00f6nnte er vor Gericht gehen und Schadenersatz in H\u00f6he von DM 50 Millionen bekommen, wegen der Verleumdung, der er und der Staat Sachsen ausgesetzt worden waren\u201c.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, stimmte noch eine Bekannte zu, \u201eanscheinend war sich Biedenkopf davon absolut nicht bewusst, dass die Art, wie der Staat die Familie Kantelberg-Abdulla behandelt hatte \u2013 so gut wie eine Entf\u00fchrung aus Berlin, die w\u00e4hrend der Nacht passierende Beschlagnahme von jedem Beweismittel, das sie vor Gericht verwenden konnten, um ihre Behauptungen zu untermauern oder sich zu verteidigen, und dann die Orchestrierung einer fast total einseitigen Medienkampagne, entstehend aus Innuendo und Einsch\u00fcchterung &#8212; all das w\u00fcrde in Amerika einen so gro\u00dfen Sturm der Entr\u00fcstung, von New York bis Honolulu, dass ein amerikanischer Gouverneur oder Staatsanwalt, der sogar versucht, so etwas zu tun, gezwungen werden w\u00fcrde, zur\u00fcckzutreten.\u201c<\/p>\n<p>Dann f\u00fcgte noch eine Freundin dazu, \u201eDie meisten Deutschen aber sind sich der Art und Weise nicht bewusst, wie das amerikanische Rechtssystem tats\u00e4chlich funktioniert. Also erzielte Biedenkopfs Drohung die gew\u00fcnschte Wirkung. Nach dieser Drohung gab es in den Medien kaum einen Bericht \u00fcber die Familie selbst. Es gab aber viele Berichte dar\u00fcber, was die angeblichen M\u00f6rder erlitten haben sollten, w\u00e4hrend der Stunden, als sie von der Polizei in Haft gehalten und vernommen wurden.\u201c<\/p>\n<p>Noch eine Bekannte vor ein paar Tagen bemerkte, \u201eDie Medien in Deutschland sind f\u00fcr Drohungen und Einsch\u00fcchterung von den Obrigkeiten wie Biedenkopf so anf\u00e4llig, dass keine einzige deutsche Zeitung oder Medienkonzern einen Bericht bekannt machen w\u00fcrde, der zu einem Prozess f\u00fchren k\u00f6nnte, der DM 50 Millionen in Schadenersatz kosten k\u00f6nnte. Und obwohl politischer Einfluss auf die Arbeit verschiedener Staatsanw\u00e4lte vielen Beobachtern seit langem klar ist, bez\u00fcglich der Skandale in den letzten Jahren in M\u00fcnchen, in Augsburg, in Bonn, in Berlin und anderswo, trotzdem nehmen deutsche Journalisten und die deutsche \u00d6ffentlichkeit alles f\u00fcr bare M\u00fcnze, was ihre Staatsanw\u00e4lte ihnen sagen, ohne sogar daran zu denken, sie sollten vielleicht die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen bezweifeln. Oder kann es sein, dass die meisten Menschen in Deutschland sich einfach nicht mit solchen \u201aKleinigkeiten\u2019 befassen wollen? Es f\u00e4llt ihnen einfach zu schwer. Es k\u00f6nnte Zeit und Kraft kosten.\u201c<\/p>\n<p>Die Fortsetzung dieses Briefes folgt n\u00e4chste Woche.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>========================================================<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letter from Munich &#8211; the Joseph Affair &#8211; 33 EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. 24 August 2001 Dear Mr. Graf, dear friends, A continuation of the letter of last week: By the early morning, after a night reminiscent of more unsavory periods in German history, the men were gone. 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