{"id":184,"date":"2006-05-19T06:01:28","date_gmt":"2006-05-19T10:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-023\/"},"modified":"2006-05-19T06:02:33","modified_gmt":"2006-05-19T10:02:33","slug":"letter-from-munich-023","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-023\/","title":{"rendered":"Letter from Munich &#8211; 023"},"content":{"rendered":"<p><strong>Letter from Munich \u2013 the Joseph Affair &#8211; 23<\/strong><\/p>\n<p>EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.<\/p>\n<p>15 June 2001 <\/p>\n<p>Dear Mr. Graf, dear friends,<\/p>\n<p>\u201cWith George Bush in Europe this week,\u201d said Carlotta, \u201cI\u2019m reminded of three themes that are only superficially unrelated \u2013 corruption, district attorneys, and the death of the boy Joseph in Sebnitz.\u201d<\/p>\n<p>She took a sip of tea from a delicate Wedgwood cup, and we waited for her to continue. \u201cI\u2019m reminded how similar the behavior of government is, whether in Europe or in the United States.\u201d She picked up a copy of The New York Times lying on the highly polished parquet next to her chair. \u201c\u2019The administration,\u2019 The Times wrote last Saturday, \u2019proceeds on the belief that no one would possibly question its wisdom and that anything can be sold with the proper marketing strategy and enough repetition of an unvarying script.\u2019 Sound familiar? But listen to this: \u2018In the old days . . . the press respected the confidence of officials because it respected their superior knowledge and good faith. But . . . respect for their good faith had died with their false promises and lies.\u2019 All of that was written about America, but it might just as well have been written about Europe, about Germany, especially about Germany\u2019s Christian Democrats, the esteemed party of Helmut Kohl and Kurt Biedenkopf.\u201d<\/p>\n<p>Before anyone could object, she went on, \u201cThere is perhaps one difference, though, between the New World and the Old. America is slightly less corrupt. You might have one or two district attorneys in the United States who try to bring off the sort of massive miscarriages of justice that are becoming routine in Germany, but in America you wouldn\u2019t have whole clusters of them everywhere.\u201d<\/p>\n<p>Again there were objections, but Carlotta silenced them with an imperious wave of her hand. We were, after all, on her estate, with its spectacular view of the Italian Alps. (One cynical acquaintance once remarked during a visit, \u201cI\u2019ll bet Berlusconi could turn this place into a terrific Obersalzberg.\u201d I had to ask her what Obersalzberg was, and even how to spell it correctly. And I still don\u2019t understand the connection between Berlusconi and Obersalzberg. My friends are sometimes too subtle for me.)<\/p>\n<p>Anyway, Carlotta went on, \u201cIn Germany, if your rich enough or powerful enough, you can get any district attorney anywhere in the country to find some excuse for suspending their investigation of you, or doing whatever else you want.\u201d<\/p>\n<p>\u201cThe recent bank scandal in Berlin wasn\u2019t suspended,\u201d someone pointed out.<\/p>\n<p>\u201cThat\u2019s true,\u201d Carlotta responded, turning her head and smiling in a way that has always reminded me somehow of Marlene Dietrich. \u201cBut it was never thoroughly investigated, and the few bank officials who were fined were reimbursed by the bank itself. And the only thing that happened to the chief culprit, Klaus Landowsky, was that he resigned his post with the Christian Democrats.\u201d She laughed and repeated, \u201cChristian Democrats \u2013 what a name. That party would make me ashamed to be a Christian, if I were one, and it certainly makes me ashamed to be a democrat.\u201d<\/p>\n<p>\u201cAll right,\u201d one young man asked, \u201cso the Berlin district attorney is in the CDU\u2019s pocket. But nowhere else in Germany do such things happen.\u201d<\/p>\n<p>I thought for a moment that Carlotta would lose her patrician composure. But more about that next week. This letter is already long enough.<\/p>\n<p>Sincerely yours,<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author\u2019s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.<\/p>\n<p>Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er wei\u00df, dass die folgende \u00dcbersetzung viele Fehler enth\u00e4lt. Er hofft aber, man werde diese Fehler \u00fcbersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu k\u00f6nnen, was in diesem Schreiben und in dieser Aff\u00e4re von zentraler Bedeutung ist.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen, den 15. Juni 2001<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,<\/p>\n<p>\u201eAls George Bush diese Woche nach Europa kam\u201c, sagte Carlotta, \u201ehabe ich mich an drei Themen erinnert, die nur scheinen, vielleicht, nichts miteinander zu tun zu haben: Korruption, Staatsanw\u00e4lte und der Tod von dem Kind Joseph in Sebnitz\u201c.<\/p>\n<p>Sie nahm ein Schl\u00fcckchen Tee aus einer feinen Wedgewood-Tasse, und wir warteten, bis sie fortfuhr. \u201eIch erinnere mich daran, wie \u00e4hnlich das Verhalten von verschiedenen Regierungen sein kann, ob in Europa oder in den Vereinigten Staaten\u201c. Sie nahm in die Hand ein Exemplar der New York Times, das auf dem auf Hochglanz polierte Parkettfu\u00dfboden neben ihrem Sessel lag. \u201e\u201aDie jetzige U.S.-Regierung\u2019, stand es in der Times vom letzten Samstag, \u201ahandelt, als ob sie glaubte, dass es unm\u00f6glich w\u00e4re, dass irgendjemand an ihrer Weisheit zweifeln w\u00fcrde. Sie handelt, als ob man durch die richtige Marktstrategie und gen\u00fcgende Wiederholung eines unver\u00e4nderlichen Skriptes alle Ideen verkaufen k\u00f6nnte.\u2019 Habt ihr irgendwo so etwas schon einmal geh\u00f6rt? Aber das ist nicht alles: \u201aIn fr\u00fcheren Zeiten . . . konnten die Beh\u00f6rden die Presse ins Vertrauen ziehen, weil die Presse Respekt vor deren Vertrauensw\u00fcrdigkeit und gr\u00f6\u00dferen Kenntnisse hatte. Aber . . . nach all den falschen Versprechungen und L\u00fcgen seitens der Beh\u00f6rden ist Respekt vor ihrer Vertrauenw\u00fcrdigkeit gestorben\u2019. Man hat das \u00fcber Amerika geschrieben, aber man h\u00e4tte es genauso gut \u00fcber Europa schreiben k\u00f6nnen, \u00fcber Deutschland, besonders \u00fcber die CDU, diese wunderbare, hoch gesch\u00e4tzte Partei von Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf\u201c.<\/p>\n<p>Bevor man Einw\u00e4nde erheben konnte, fuhr sie fort, \u201eEs gibt aber in gewisser Hinsicht vielleicht einen Unterschied zwischen der Neuen Welt und der Alten. Amerika ist ein bisschen weniger korrupt. Vielleicht in Amerika k\u00f6nnte man einen oder zwei Staatsanw\u00e4lte finden, die versuchen, die Art von gro\u00dfen Justizirrt\u00fcmern zustande zu bringen, die in Deutschland routinem\u00e4\u00dfig werden, aber in Amerika w\u00fcrde man nicht \u00fcberall gro\u00dfe Haufen von solchen Verbrechen finden\u201c.<\/p>\n<p>Noch einmal wollten einige G\u00e4ste Einw\u00e4nde erheben, aber Carlotta winkte sie herrisch ab. Wir waren schlie\u00dflich in ihrem Landhaus; es war schlie\u00dflich ihr Landgut, mit seiner spektakul\u00e4ren Aussicht auf die italienischen Alpen. (Eine Bekannte, die sehr zynisch ist, hat einmal bei einem Besuch bemerkt, \u201eWetten, dass Berlusconi diesen Ort in einen fantastischen Obersalzberg umwandeln k\u00f6nnte?\u201c Ich musste sie fragen, was der Obersalzberg sei, und sogar wie man diesen Namen richtig schreibt. Und ich verstehe immer noch nicht die Verbindung zwischen Berlusconi und Obersalzberg. Na ja, meine Bekannte sind manchmal zu feinsinnig f\u00fcr mich.)<\/p>\n<p>Auf jeden Fall fuhr Carlotta fort, \u201eIn Deutschland, wenn du reich und m\u00e4chtig genug bist, kannst du fast jeden beliebigen Staatsanwalt wo immer in diesem Land zwingen, einen willkommenen Anlass zu finden, um seine Ermittlung gegen dich einzustellen oder welche Ma\u00dfnahmen auch immer zu ergreifen, die du w\u00fcnschen magst\u201c.<\/p>\n<p>\u201eWo es um den LBB-Skandal in Berlin geht, wurde die Ermittlung nicht eingestellt\u201c, sagte ein Gast.<\/p>\n<p>\u201eDas ist wahr\u201c, erwiderte Carlotta, und sie wandte dem Sprechenden zu und l\u00e4chelte auf eine Art und Weise, die mich irgendwie, aus irgendeinem Grund, an Marlene Dietrich erinnerte. \u201eAber dieser Skandal wurde nie gr\u00fcndlich ermittelt, und die paar Bankfunktion\u00e4re, die ein Bu\u00dfgeld bezahlen mussten, wurden daf\u00fcr durch die Bank entsch\u00e4digt. Und das einzige, was dem Hauptt\u00e4ter, Klaus Landowsky, passierte, war, dass er seine CDU-Stellung k\u00fcndigen musste\u201c. Sie lachte und sagte, \u201eDie Christlich-Demokratische Union \u2013 was f\u00fcr ein pr\u00e4chtiger Name. Aber diese Partei w\u00fcrde mich dazu bringen, mich zu sch\u00e4men, Christin zu sein, wenn ich Christin w\u00e4re. Bestimmt bringt sie mich dazu, mich zu sch\u00e4men, Demokratin zu sein\u201c.<\/p>\n<p>\u201eNa gut\u201c, sagte ein junger Mann, \u201ealso hat die CDU den Berliner Staatsanwalt in der Tasche. Na und? Das ist in Deutschland nur ein Einzelfall.\u201c<\/p>\n<p>Einen Augenblick lang dachte ich, dass Carlotta die patrizierartige Fassung verlieren w\u00fcrde. Aber ich werde n\u00e4chste Woche diese Geschichte weitererz\u00e4hlen. F\u00fcr heute habe ich genug geschrieben.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letter from Munich \u2013 the Joseph Affair &#8211; 23 EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. 15 June 2001 Dear Mr. Graf, dear friends, \u201cWith George Bush in Europe this week,\u201d said Carlotta, \u201cI\u2019m reminded of three themes that are only superficially unrelated \u2013 corruption, district attorneys, and the death of the boy Joseph in Sebnitz.\u201d [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":167,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-184","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/184","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/users\/167"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=184"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/184\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=184"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}