{"id":179,"date":"2006-05-17T08:35:44","date_gmt":"2006-05-17T12:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.law.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-019\/"},"modified":"2006-05-17T08:35:44","modified_gmt":"2006-05-17T12:35:44","slug":"letter-from-munich-019","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/archive.blogs.harvard.edu\/munichletters\/letter-from-munich-019\/","title":{"rendered":"Letter from Munich &#8211; 019"},"content":{"rendered":"<p><strong>Letter from Munich \u2013 the Joseph Affair &#8211; 19<\/strong><\/p>\n<p>EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN.<\/p>\n<p>18 May 2001 <\/p>\n<p>Dear Mr. Graf, dear friends,<\/p>\n<p>This week\u2019s letter is rather long, so I\u2019ve divided it into two parts. I\u2019ll send the second part next week.<\/p>\n<p>I took one look at Heinrich and knew there would be no stopping him. He seemed to be about to burst with self-confidence. \u201cNow you know,\u201d he said, very loudly, \u201chow really masterful politicians behave \u2013 if you saw Biedenkopf\u2019s nationally televised interview this week.\u201d Kurt Biedenkopf is the prime minister of the German state of Saxony\u201d. Many people \u2013 though I am certainly not one of them \u2013 feel he is ultimately responsible for an attempt to cover up the murder of the boy Joseph in Sebnitz.<\/p>\n<p>Sabine lowered her eyes for a moment, and then looked up again, staring directly at Heinrich. He seemed not to notice her. \u201cBiedenkopf was on the attack from the start,\u201d he went on. \u201cDid you see how he ridiculed those puny journalists who had the cheek to question him?\u201d He smiled warmly. \u201cI loved it when he asked one of them indignantly, \u2018Who gave you the right to ask such a question?\u2019 Because that\u2019s what these journalists need to learn: respect. Respect for the German \u2013 and the whole European \u2013 political class. And Biedenkopf is just the man to teach them. The sarcasm, the scorn, the anger, the aggressive attitude he showed \u2013 all that put those reporters in their place. None of that insolent journalistic behavior you find in America, where reporters don\u2019t know how to speak to their betters.\u201d<\/p>\n<p>Sabine\u2019s voice, when she next spoke, was like a clear, silver bell ringing out into the room. \u201cWhat I saw in that interview,\u201d she said, \u201cwas a tired, frightened old man, fighting for his political life. And for his reputation. Biedenkopf\u2019s dangerous yet, but time is not on his side.\u201d She sighed, and all her intelligence, all her quiet brilliance seemed concentrated in her words, as she held the gaze of each of us in turn and said, \u201cI look at men like Biedenkopf and I think to myself, how have we sunk so low that we deserve such politicians? And I think of men like Andre Sakharov and wonder why there seem to be no more people like that in today\u2019s world.\u201d<\/p>\n<p>She picked up a piece of paper from the polished surface of the table in front of her. The emerald ring she was wearing caught and refracted the light from the logs burning in the fireplace. It was a chilly evening there, in the large room in the house near the base of the Alps. \u201cI ran across something that Sakharov wrote. His Nobel Prize acceptance speech. Listen. \u2018Other civilizations, perhaps more successful ones, may exist an infinite number of times on the preceding and following pages of the Book of the Universe. Yet we should not minimize our sacred endeavors in the world, where, like faint glimmers in the dark, we have emerged for a moment from the nothingness of unconsciousness into material existence. We must make good the demands of reason and create a life worthy of ourselves and of the goals we only dimly perceive.\u2019\u201d<\/p>\n<p>\u201cGod, is that bullshit,\u201d said Heinrich.<\/p>\n<p>The second half of this letter I\u2019ll send next week.<\/p>\n<p>Sincerely yours,<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Since many recipients of this letter may read German more easily than they read English, the following is the author\u2019s own translation of the above letter. Please note that word-processing programs outside of German-speaking countries may not display all of the letters of the German alphabet correctly.<\/p>\n<p>Bitte vergessen Sie nicht, dass der Autor dieses Briefes Autodidakt ist, was die deutsche Sprache betrifft, und er wei\u00df, dass die folgende \u00dcbersetzung viele Fehler enth\u00e4lt. Er hofft aber, man werde diese Fehler \u00fcbersehen, um hinter den Fehlern das sehen zu k\u00f6nnen, was in diesem Schreiben und in dieser Aff\u00e4re von zentraler Bedeutung ist.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen, den 18. Mai 2001<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Graf, sehr geehrte Freunde,<\/p>\n<p>Der Brief von dieser Woche ist ziemlich lang, deshalb habe ich ihn in zwei Teile geteilt. Ich schicke Euch n\u00e4chste Woche den zweiten Teil zu.<\/p>\n<p>Ich habe Heinrich angeschaut und wusste sofort, er w\u00fcrde sich nicht aufhalten lassen. Es schien, als ob er vor einem \u00fcbertriebenen Gef\u00fchl f\u00fcr Selbstvertrauen fast platzen w\u00fcrde. \u201eJetzt wisst Ihr alle\u201c, sagte er sehr laut, \u201ewie echt meisterhafte Politiker sich benehmen \u2013 wenn Ihr Biedenkopf letzte Woche in seinem bundesweit gesendeten Fernsehinterview gesehen habt\u201c. Viele Leute \u2013 aber ich bin sicher nicht einer von ihnen \u2013 glauben, dass Biedenkopf die endg\u00fcltige Verantwortung daf\u00fcr hat, dass man versuchte, den Mord von dem Kind Joseph in Sebnitz zu vertuschen.<\/p>\n<p>Sabine senkte eine Sekunde den Blick, dann hebte ihn noch einmal, und starrte Heinrich an. Er schien sie nicht zu bemerken. \u201eIn diesem Interview ging Biedenkopf sofort zum Angriff \u00fcber\u201c, setzte er fort. \u201eHabt Ihr es gesehen, wie er diese kleinen, schwachen Journalisten verspottete, die die Frechheit besitzten, ihn auszufragen?\u201c Er l\u00e4chelte herzlich. \u201eIch liebte es, als Biedenkopf einen Journalist emp\u00f6rt fragte, \u201aUnd mit welchem Recht stellen Sie mir eine solche Frage?\u2019 Weil das ist es, was diese Journalisten zu lernen brauchen: Respekt. Respekt vor der ganzen deutschen \u2013 und europ\u00e4ischen \u2013 politischen Klasse. Und Biedenkopf ist genau der Mensch, der das ihnen beibringen kann. Der Sarkasmus, die Verachtung, der Zorn, die aggressive Haltung, die er zeigte \u2013 durch all das konnte Biedenkopf diese Reporter \u00e4u\u00dferst gut in ihre Schranke verweisen. Wir wollen \u00fcberhaupt nicht dieses insolente journalistische Verhalten, das man in Amerika findet, wo die Reporter wissen nicht, wie man mit den Leuten, die einem \u00fcberlegen sind, sprechen soll.\u201c<\/p>\n<p>Als Sabine das n\u00e4chste Mal sprach, war ihre Stimme wie ein klares, silbernes Gl\u00f6ckchen, die ihre W\u00f6rter in den Raum ausl\u00e4utete. \u201eWas ich in diesem Interview sah\u201c, sagte sie, \u201ewar ein m\u00fcder, ver\u00e4ngstigter alter Man, der um sein politisches Leben k\u00e4mpfte. Und um seinen Ruf. Biedenkopf ist immer noch gef\u00e4hrlich, aber die Zeit arbeitet nicht f\u00fcr ihn\u201c. Sie seufzte, und ihre ganze Intelligenz, ihre ganze, stille Genialit\u00e4t schienen ihren Mittelpunkt in Sabines W\u00f6rtern zu haben, als sie sagte, \u201eIch sehe Menschen wie Biedenkopf und ich denke mir, wie ist es m\u00f6glich, dass wir so tief gesunken sind, dass wir solche Politiker verdient haben? Und dann denke ich an Leute wie Andre Sakharov und ich frage mich, warum es Menschen wie ihn nicht mehr auf der Welt gibt\u201c:<\/p>\n<p>Sie nahm ein Blatt Papier von der auf Hochglanz polierten Oberfl\u00e4che des Tisches, der vor ihr stand. Der Smaragdring, den sie trug, spiegelte das Licht wieder, das aus dem Holzscheit strahlte, das im Kamin brennte. Der Abend war k\u00fchl, in diesem gro\u00dfen Raum im Haus am Alpenrand. \u201eIch habe neulich zuf\u00e4llig einige Zeile gefunden, die Sakharov einmal schrieb. Sie stammen aus der Rede, die er hielt, als er den Nobelpreis entgegengenommen hat. H\u00f6rt zu, meine Freunde: \u201aAndere, vielleicht erfolgreichere Zivilisationen m\u00f6gen unz\u00e4hlige Male auf den vorangehenden und folgenden Seiten des Buches des Universums existieren. Wir sollten aber nicht unsere heilige Anstrengungen auf dieser Welt herunterspielen, wo wir, wie schwache Lichtscheine in der Dunkelheit, einen Augenblick lang aus dem Nichts des Unbewusstseins in die materielle Existenz getreten sind. Wir m\u00fcssen den Forderungen der Vernunft entsprechen und ein Leben schaffen, das unserer und der Ziele, die wir erst undeutlich wahrnehmen, w\u00fcrdig ist\u2019\u201c.<\/p>\n<p>\u201eLieber Gott, ist das gro\u00dfe Schei\u00dfe\u201c, sagte Heinrich.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Woche werde ich Euch den zweiten Teil dieses Briefes zuschicken.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Robert John Bennett<\/p>\n<p>Mauerkircherstrasse 68<\/p>\n<p>81925 Germany<\/p>\n<p>Telephone: +49.89.981.0208<\/p>\n<p>E-Mail: rjbennett@post.harvard.edu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letter from Munich \u2013 the Joseph Affair &#8211; 19 EINE DEUTSCHE FASSUNG STEHT WEITER UNTEN. 18 May 2001 Dear Mr. Graf, dear friends, This week\u2019s letter is rather long, so I\u2019ve divided it into two parts. I\u2019ll send the second part next week. 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